Erlebte Geschichte:

Der Fremde


Freitag abend. Das Wochenende steht vor der Tür. Aber mein Freund ist mal wieder bei seinen Eltern. Und was mache ich? Also erst mal runter zu Susi. Zur Not schauen wir zusammen einen schönen Krimi im Fernsehen. July hat aber keine Lust dazu. Sie möchte lieber in die Disco nach Wolfenbüttel.

Nachdem uns July für die Disco überredet hat, waren wir auch pünktlich kurz vor Mitternacht da. Susi bezahlte für uns den Eintritt und gab uns unsere Getränke-Gutscheine. Und dann konnte der Abend beginnen! Erst einmal eine Runde drehen um einen Überblick zu bekommen. Doch das Resultat ist enttäuschend: Alle gutaussehenden Kerle waren mit ihrer Freundin da… Also suchten wir uns einen hübschen Platz in der Nähe der Tanzfläche.
Kaum hatten wir unseren ausgewählten Platz erreicht, kam auch schon eine kleine Gruppe von Männern an. Um genau zu sein waren es gleich 5! Der eine hat mir optisch schon gut gefallen – doch er macht sich gleich an Susi ran. So ein Mist aber auch! Dafür werde ich von dem Typen im weißen Pulli angegraben. Und er ist nun überhaupt nicht mein Fall, noch dazu mit etwas zu viel Alkohol intus. Nachdem er ständig am Betteln ist, gebe ich nach und tanze mit ihm. Ein Lied – mehr nicht! Doch W. (W. steht ab jetzt für der Typ mit dem weißen Pulli) gibt jetzt erst recht nicht auf! Ich weigere mich. Doch das sieht sein Kumpel mit dem Holzfällerhemd (ab jetzt H.) anders und will mich überlisten: Er fordert mich zum Tanzen auf und wollte dann mit W. tauschen, mich also an ihn weiterreichen. Aber darauf hab ich kein Bock! Nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen gibt er auf.
Aber nur, mich an seinen Kumpel weiterreichen zu wollen! H. lässt mich nicht mehr aus seinen Fängen. Wir tanzen die halbe Nacht. Schließlich wechselt der DJ die Musikrichtung. Aus Schlagern und Charts werden Grönemeyer, Westernhagen und ähnliches. Zuerst tanzen wir zu acht im Kreis. Doch nach und nach sind alle verschwunden. Nur noch H. und ich sind übrig.
Plötzlich steht H. hinter mir und nimmt mich lieb in den Arm. Bei H. spüre ich eine Art Geborgenheit, obwohl ich ihn gar nicht kenne. Und das genieße ich. Mein Freund ist mittlerweile fast vergessen.
Der DJ spielt nun Kuschelmucke. Kein Wunder also, dass die Hände von H. langsam anfangen zu wandern. Um allen Missverständnissen aus dem Weg zu gehen, haucht er mir ein „Wenn ich zu weit gehe, mußt du ‚Nein’ sagen, okay?“ ins Ohr. Erst streichelt er mich langsam, zärtlich, liebevoll unter meiner Bluse. Als er merkt, dass es mir gefällt, gräbt er sich einen Weg unter mein Top. Er streichelt meinen Bauch. Jeder einzelne Quadratmillimeter wird von seinen Händen erforscht. Er wird fordernder und ich feuchter. Seine rechte Hand erkundet weiter meine Bauchregion, während sich seine linke zu meinem Busen hocharbeitet. Gerade hat der DJ „Die perfekte Welle“ von Juli aufgelegt. H. und ich kuscheln und tanzen. Das Lied passt einfach 1a! Besonders die Stelle „Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag, lass dich einfach von ihr tragen, denk am besten gar nicht nach.“ Das sahen H.’s Hände wohl auch so. Nachdem ihnen oben der BH im Weg war, versuchten sie, sich einen Weg nach unten zu bahnen. Doch daraus wurde nichts. Das lies jedoch meine Hose nicht zu. Also kümmerten sie sich weiter um die schon erforschte Bauchregion.

Doch leider wechselte der DJ die Musik. Jetzt ist wieder Charts-Time angesagt. Danke DJ! Jetzt ist die Stimmung raus… H. zog seine Hände zurück und war kurz darauf verschwunden. Leider.

Später habe ich mich mit Susi über die 5 Typen unterhalten: Sie kommen aus Düsseldorf und haben wohl alle Familie. Der jüngste von ihnen ist Anfang 40, also knapp 15 Jahre älter als ich.
Mein Freund weiß nichts von H. und so wird es auch bleiben! Susi und July werden ihm das auch nicht erzählen können, da sie von H.’s Streicheleinheiten glücklicherweise nichts mitbekommen haben.


-- ENDE --

Lieber H.!
Vielleicht liest du diese Zeilen einmal… Ich danke dir für diese wenigen Stunden! Wir werden uns wohl nie wieder sehen, aber ich werde dich wohl mein ganzes Leben nicht vergessen. Obwohl ich noch nicht einmal deinen richtigen Namen weiß.

(NS, 01.10.2004)